6. April 2026 Tobias Hubold

Mehr als nur Fliegen: Teamarbeit und Abenteuer bei der Windenschulung

Eine gefundene Sonnenbrille war der Ausgangspunkt, der den windenausbildungswilligen Tobi schließlich an den Kontakt von Paradopia brachte – und ehe wir uns versahen, standen wir, eine Gruppe von neun Pilot:innen, Ende Februar frühmorgens auf dem Flugplatz in Schöngleina. Mit dem Ziel, eine neue Startart zu lernen und unsere Lizenzen, um die Eintragung „Winde“ zu erweitern.

An zwei Wochenenden, begleitet von einem Fluglehrer aus Dresden, machten wir uns als ausgebildete Freiflieger mit ganz unterschiedlichen Vorerfahrungen daran, das Fliegen ohne Berg zu erschließen. Für einige war es die perfekte Gelegenheit, nach längerer Pause wieder reinzukommen, andere wollten ihr Können erweitern – und für alle war es eine schöne Möglichkeit, weitere Vereinsmitglieder kennenzulernen.
Los ging es am 26. Februar mit einem Theorieinput von Jens, gefolgt vom ersten Praxistag am 27. Februar. Zwei Mutige wagten sich bei durchaus anspruchsvollen Bedingungen an die ersten Schlepps – begleitet von ordentlich Wind. Schnell wurde klar: Heute ist eher Köpfchen gefragt als Flugzeit, also wurde kurzerhand die Theorieprüfung eingeschoben.

Spätestens beim gemeinsamen Grillen und Zusammensitzen wurde deutlich: Windenschlepp ist nichts, was man „allein macht“
Am 28. Februar unterstützte Jens, als erfahrener Windenführer, die praktische Ausbildung mit viel Geduld und Gefühl fürs Gerät. Zwischen den Flügen blieb Zeit fürs Groundhandling und später sorgte sogar eine Portion Thermik für längere Flugmomente. Ein Seilriss ließ uns kurz aufhorchen – auch wenn vieles routiniert wirkt, bleibt Aufmerksamkeit beim Schlepp das A und O.

Im März ging es dann richtig rund: am 20.03. konnte dank Thomas an der (frisch überholten) Winde sehr effizient geschult werden – bis zu zehn Flüge pro Pilot:in waren drin. Und am 22.03. hieß es früh raus aus den Federn: Treffpunkt 6:30 Uhr zum Aufbau – bevor mit den ersten Sonnenstrahlen die Schlepps anliefen. Belohnt wurden wir mit einem beeindruckenden Sonnenaufgang und allen nötigen Flügen, die wir noch vor dem Mittag erfolgreich „einfahren“ konnten. Damit waren die geforderten 20 Schulungsflüge zu rund 200 Meter Höhe, jeweils einer Seilrisssimulation und die praktische Prüfung im Kasten.

Dank spontaner Wetterabsprachen und der Bereitschaft aller, flexibel zu bleiben, konnten wir unser Ziel an den beiden Wochenenden gemeinsam erreichen. Die Bedingungen waren nicht immer ideal – zeitweise viel Wind, auch mal Windscherungen während des Schlepps – aber genau das machte die Ausbildung umso lehrreicher.

Warum eigentlich Winde? Ganz einfach: Fliegen auch ohne Berge. Der Flugplatz in Schöngleina bietet mit seinen verschiedenen Startrichtungen (Nordost–Südwest, Ost–West) und der wunderhübschen Umgebung ein ideales Spielfeld. Die Schlepps bringen uns auf brauchbare Höhe. Sie zeigten dabei aber auch deutlich, welch ein fließendes Zusammenspiel es ist, zwischen Windgegebenheiten, Pilot:in und Schirm aber vor allem auch mit den Windenführenden – die mit viel Feingefühl den Weg nach oben ebnen.
Die Abläufe wurden schnell zur Routine: Schirm auslegen, Schleppklinke ins Vorseil einfädeln, Verbindung herstellen, Seil straffen – und dann geht’s los. „Staaaart!“ – vom flachen in den steilen Steigwinkel, bis schließlich in sicherer Höhe ausgeklinkt wird und der eigentliche Genuss beginnt. Ein Schlepp dauerte dabei nur etwa eine Minute.

Besonders bemerkenswert war die Teamarbeit am Startplatz: Windenführer, „Lepo“-Fahrende, Startleiter:in und Pilot:innen müssen für einen reibungslosen Ablauf immer gut abgestimmt zusammenarbeiten. Die Funkkommandos wirkten anfangs noch etwas sperrig, wurden aber schnell zur Routine. Auch die Startleitung selbst ist Teil der Ausbildung und hat das Verständnis für Abläufe und Verantwortung nochmal deutlich geschärft.
Geschleppt wurde mit einer Winde, die auf einem Anhänger montiert ist. Angetrieben von einem Golf-2-Motor ist sie ausgestattet mit zwei Seiltrommeln – meist mit den dort üblichen Bezeichnungen „Waldseil“ und „Towerseil“. Auf dem Flugplatz herrscht dabei ein streng abgestimmtes Miteinander: neben uns Gleitschirmflieger:innen sind an belebten Tagen auch Motorfliegende, Segelflugzeuge und ein Helikopter unterwegs, was klare Abläufe und gegenseitige Rücksicht erfordert.

Am Ende bleibt nun vor allem eins: das Gefühl einer richtig guten, gemeinschaftlichen Zeit. Viel Engagement, gegenseitige Unterstützung, gemeinsames Lernen – und nicht zuletzt jede Menge Spaß.

Ein großes Dankeschön geht an alle, die diese Ausbildung möglich gemacht haben: insbesondere an die grandiosen Windenführer Jens und Thomas, unseren Fluglehrer Gunther, die Orga durch Tobi, Axel und Tommy, den DGFC und alle helfenden Hände am Platz!
..wer weiß – vielleicht hat der ein oder die andere jetzt Lust bekommen auch „Winde zu fliegen“. Wahrscheinlich spätestens dann, wenn der Wind am Berg für den Hangstart nicht passt.

Autorin: Sandra Schuster